Martin-Niemöller-Schule Wiesbaden
MINT-EC


LESEanregungen aus verschiedenen Bereichen der Trivialliteratur!



1. "Die Stadt der träumenden Bücher" von Walter Moers, 2004

Buchhaim ist eine Stadt, deren Bewohner für Bücher und von Büchern leben. Es gibt mehr als fünftausend
amtlich registrierte Antiquariate und tausend halblegale Bücherstuben, in denen man sich nicht nur an Büchern
berauschen kann. Fliegende Händler bieten alles an, was lesbar ist. Optiker verdienen ihr Geld mit Lesebrillen,
Schreiner mit dem Bau von Buchstützen. Über sechshundert Verlage haben ihren Sitz in Buchhaim. Von einer
solchen Stadt träumt jeder Leser und jeder Schriftsteller. Apropos "träumen". Träumende Bücher nennt man in
Buchhaim die antiquarischen Bestände, denn diese Bücher, die in Regalen und Kisten lagern, träumen davon,
gekauft und gelesen zu werden und so wieder zu neuem Leben zu erwachen.
Einst existierte Buchhaim nur unterirdisch. Bewohnte Höhlen wurden durch künstliche Tunnel, Schächte und
Treppen miteinander verbunden. Es entstand ein Labyrinth, in dem Buchjäger noch heute auf der Jagd nach
kostbaren Büchern sind und in dem tödliche Gefahren lauern. Hildegunst von Mythenmetz, ein Jungspund von
77 Jahren, Bewohner der Lindwurmfeste und Ich-Erzähler dieses Romans, kommt nach Buchhaim, um den genial
begabten Dichter eines Manuskriptes ausfindig zu machen, das ihm sein Dichtpate Danzelot von Silbendrechsler
auf dem Sterbebett vermacht hat. Seine Suche führt ihn direkt in Buchhaims Katakomben.
Und in ein lebensgefährliches Abenteuer.

Walter Moers (*1957)
ist der Zeichner des Kleinen Arschlochs und der geistige Vater von Käpt`n Blaubär. U.a. erhielt er
den Adolf-Grimme-Preis für diese Figur.


2. "Oskar und die Dame in Rosa" von Eric-Emmanuel Schmitt

Ein zehn Jahre alter Junge liegt im Krankenhaus, weil er an Leukämie erkrankt ist. Nachdem
Chemotherapie und Knochenmarktransplantation fehlgeschlagen sind, hat er nur noch wenige Tage zu
leben. Aber jeden davon durchlebt er auf den Rat einer älteren Krankenschwester hin als ob es sich
um zehn Jahre handeln würde. So erlebt er u.a. auch seine erste große Liebe ...

Kommentar:
Eine sehr zärtliche mit viel Weisheit gepaarte Geschichte. Man sollte sich selbst ein wenig mehr
zurücknehmen um anderen ein gutes Gefühl auf ihren Wegen zu geben ...


3. "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann

Der auf dem Familienschloss Tegel aufgewachsene Naturforscher Alexander von Humboldt führte
1799 bis 1804 eine strapaziöse Expedition in Südamerika durch. Ganz anders der Mathematiker Carl
Friedrich Gauß: Studieren hatte er nur mit einem herzoglichen Stipendium können, und statt seine
Wahlheimat Göttingen zu verlassen, sann er lieber in seiner Studierstube über mathematische
Probleme nach.

Kommentar:
Eine unglaublich komisches Abenteuer mit drei unglaublich komischen Charakteren - besonders
Humboldts Reisebegleiter und Assistent Bonpland ist ein Sympathieträger ...


4. "Tintenblut" von Cornelia Funke - (In Eurer Bibliothek)

Die aus dem Buch "Tintenherz" stammende Romanfigur Staubfinger sehnt sich danach,
zurückkehren zu können. Endlich glaubt er jemanden gefunden zu haben, der ihn "zurücklesen"
kann: Orpheus. Sein treuer Freund Farid, der ungewollt in der Realität zurückbleibt, ahnt,
dass Staubfinger in Lebensgefahr ist und wendet sich deshalb Hilfe suchend an Meggie …

Kommentar:
"Tintenblut" – der 2. Band einer Jugendroman-Trilogie von Cornelia Funke – ist ein fantasievolles
Lese-Abenteuer und zugleich eine Hommage an Bücher, an die Magie der Worte und die
Faszination des Lesens.


5. "Schiffbruch und Tiger" von Yann Martel

Der 17-jährige indische Sohn eines Zoodirektors kann nach einem Schiffsuntergang in ein
Rettungsboot springen. Dort befindet er sich in Gesellschaft eines verletzten Zebras, eines
Orang-Utan-Weibchens, einer Hyäne und eines Königstigers, mit dem er als einzig überlebendem
Tier die nächsten 227 Tage auf dem Pazifik verbringen wird. Die Strapazen bringen Mensch und Tier
an die Grenzen ihrer Kräfte.
Die Erlebnisse des Schiffbrüchigen auf dem Rettungsboot sind realistisch beschrieben. Das ist spannender
und unterhaltsamer Lesestoff.

Kommentar:
Gerade im Hinblick auf die Glaubenskrisen der Menschheit kann diese Geschichte Berge
versetzen ...! Denn ist es nicht eigentlich egal welchem Glauben wir angehören, kann
man nicht einfach Muslim-Christ-Jude-Hinduist sein - also einfach ein Mensch?


6. "Tausendundeine Nacht" von Claudia Ott (Originalübersetzung aus dem Arabischen)

Diese Neuübersetzung von Tausendundeine Nacht macht erstmals die älteste arabische Fassung
der berühmten orientalischen Erzählsammlung auch deutschen Lesern zugänglich. Die Übersetzerin
hält sich an das Labyrinth des kunstvoll verwobenen Erzählfadens des Originals. Nicht mehr ein
europäischer Orientalismus spricht durch Tausendundeine Nacht zu uns, sondern endlich der
Orient selbst. Es gibt übrigends nur Zweihundertzweiundachtzig Nächte ...

Kommentar:
Orientalische Literatur muss man einfach lieben ...
Superschön sind die Kalligraphien, ein Anhang mit Erläuterungen zur arabischen Mythologie
und deren Begriffen sowie eine Ursprungstafel der Überlieferungen von Tausenundeiner Nacht.


7. "Che Guevara - Monographie" von

Im Schulgebäude der bolivianischen Kleinstadt La Higuera hatte Rodriguez den prominentesten Gefangenen seiner Geheimdienstkarriere ein letztes Mal verhört, bevor der betrunkene Leutnant Mario Teran Guevara auf Befehl der bolivianischen Regierung erschoss.


Erst 30 Jahre später wurden die Gebeine des Revolutionärs unter der Landebahn in
Vallegrande/Bolivien geborgen. Ein Skelett, dem die Hände fehlten, wurde als Che Guevara
identifiziert. Dem Toten waren die Hände abgehackt worden, bevor man den Leichnam
an dem jahrzehntelang geheim gehaltenen Ort verscharrte.
Wochenlang hatten 2000 bolivianische Soldaten im Herbst 1967 Che Guevara und seine -
am Ende nur noch 16 - Mitstreiter durch Dschungel und Bergland verfolgt. Die CIA hatte weder
Kosten noch Rechtsbrüche gescheut, um den kommunistischen Guerillaführer zu stellen, der
angetreten war, in Bolivien den Bürgerkrieg zu entfachen und die Revolution in ganz
Lateinamerika zum Sieg gegen die "Diktatur des Kapitals" zu führen.


Ikone der Revolution
"Sagt Fidel, dass die Revolution anderswo siegen wird, sagt meiner Frau, sie soll alles
vergessen, wieder heiraten und glücklich sein, und sagt den Soldaten, sie sollen gut zielen."
Der kubanische CIA-Agent Felix Rodriguez zitiert die letzten Worte Che Guevaras, die der
Revolutionär ihm in einem Verhör für die Nachwelt mitgegeben haben soll.


Kommentar:
Die Rowohlt-Monographie ist spannend, aber auf den Punkt gebracht und als Schülerlektüre auf
Grund der guten Übersicht und Gliederung sehr zu empfehlen. Zur Vertiefung werden viele
Literaturhinweise und Dokumentationstipps gegeben.


8. "Schnee" von Orhan Pamuk - (In Eurer Bibliothek)

Ein Fremder kommt nach Kars, eine türkische Provinzstadt, um eine merkwürdige Serie von
Selbstmorden zu untersuchen: Junge Mädchen haben sich umgebracht, weil man sie
zwang, das Kopftuch abzulegen. Plötzlich kommt es zu einem Putsch, inszeniert von einem
Schauspieler. Ein Theatercoup? Doch es fließt echtes Blut, es intervenieren echte Soldaten,
keiner kann die Stadt verlassen, weil es unaufhörlich schneit.

Kommentar:
Die Geschichte läuft in verschiedenen Ebenen ab: nicht Ka ist der Erzähler, sondern Pamuk selber,
der Ka berichten lässt, was andere berichten. Die Spannungselemente des klassischen
Kriminalromans (Chandler und Poe) machen das Buch attraktiv. Pamuk beschreibt den Mikrokosmos
der Stadt Kars so, dass der wenig informierte Westeuropäer meint, endlich die Türkei in
ihrer Zerrissenheit zwischen westlicher Lebensart und islamistischer Tradition zu verstehen.


9. "Die Frau des Zeitreisenden" von Audrey Niffenegger - (in Eurer Bibliothek)

In der Geschichte geht es um die lebenslange Liebe zwischen Henry und Clare. Als Clare
den Mann ihres Lebens kennenlernt, ist sie sechs Jahre alt, er ist vierzig. Aus dem
chronologischen Widerspruch, dass Henry seine Clare bereits im Alter von 28 Jahren trifft,
als sie ihrerseits zwanzig ist, macht dieser fantasievolle Roman eine fantastische Erzählung.

Kommentar:
Abgesehen von dieser Herz erwärmenden Erzählung über Clare und Henry und ihrem Ringen
um eine gemeinsame Zukunft, kann man die Geschichte durchaus auch als Metapher sehen
für die Möglichkeiten und Grenzen von Liebesbeziehungen. Tatsächlich formuliert Audrey
Niffenegger die Botschaft: Wie sehr man sich auch bemühen mag, Fehler vorauszuahnen
und sein Verhalten daran zu optimieren, der Lauf der Dinge wird sich nicht grundsätzlich ändern.


10. "Cupido" von Jiliane Hoffmann - (In Eurer Bibliothek)

Der Alptraum jeder Frau: Du kommst abends in dein Apartment. Du bist allein. Alles scheint wie immer,
nur ein paar Kleinigkeiten lassen dich stutzen. Du kümmerst dich nicht darum. Du gehst schlafen.
Und auf diesen Moment, hat der Mann, der unter deinem Fenster lauert, nur gewartet … C.J. ist
Staatsanwältin in Miami, und sie ist ein As. Eines Tages schnappt die Polizei bei einer zufälligen
Verkehrskontrolle einen psychopathischen Serienkiller, nach dem seit Monaten gefahndet wird.

Kommentar:
Die sehr detaillierte Erzählweise ist zu Beginn fast störend, und für meinen Geschmack etwas zu
grausam realistisch dargestellt. Über die kleinen Längen im Mittelteil tröstet das überraschende
Ende hinweg, die Aussage „nichts ist so, wie es scheint“ trifft hier voll zu. 


11. "Die Erfinder des Todes" von Val McDermid - (In Eurer Bibliothek)

Dichtung und Wahrheit – nach diesem Rezept mordet ein Serienkiller in England. Seine Opfer:
die berühmtesten Thrillerautoren. Seine Methode: Er tötet sie nach ihren eigenen Buchvorlagen.
Eine selbstverliebte Queen of Crime und ein eitler Horrorspezialist sterben so, wie sie es in
ihren Romanen für ihre Opfer minutiös ausgeklügelt haben. Und nicht nur diese
bestialischen Morde rauben der Psychologin und Profilerin Fiona Cameron den Schlaf, denn
auch Kit Martin, ihr Lebensgefährte, zählt zu den prominentesten Erfindern des Todes. Fiona wird
bald klar, dass Kit ganz oben auf der Liste des Psychopathen steht.

Kommentar:
Endlich mal ein Serienmörder, dessen Motiv nicht sexueller Natur ist. Ich fand die Idee der
Autorin sehr einfallsreich, die eigenen Reihen schriftlich zu ermorden. Und
Fiona Cameron als Charakter hat eindeutig das Zeug zur Serienfigur.


12. "Echo einer Winternacht" von Val McDermid - (In Eurer Bibliothek)

1978. In einer eisigen Winternacht wird in dem schottischen Universitätsstädchen St. Andrews
eine junge Frau erstochen. Vier Studenten, Freunde seit Kindheitstagen, finden die
Sterbende, können ihr Leben aber nicht mehr retten. Doch seit der Bluttat lastet ein Verdacht
auf ihnen. Und fünfundzwanzig Jahre später beginnt ein Unbekannter, Rache zu üben.
Ein Alptraum nimmt seinen Lauf …

Kommentar:
Die Autorin hat die Szenerie sehr überzeugend und stimmig dargestellt. Man spürt die schottische
Winternacht das ganze Buch hindurch um sich herum und fröstelt unweigerlich. Die Handlung ist in
eine ähnliche Kategorie einzuordnen wie in „Ein Ort für die Ewigkeit “.  Sehr spannend und
nicht so leicht durchschaubar ...

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